3. Stufe: Vereinfachtes Verbraucherinsolvenz-Verfahren


Alle Gläubiger müssen ihre Forderungen bei einem vom Gericht eingesetzten Treuhänder anmelden. Dieser prüft und stellt die Vermögens- und Schuldensituation fest und erarbeitet einen Verteilungsplan des Vermögens und des zukünftigen pfändbaren Einkommens des Schuldners an die Gläubiger.

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens beginnt gleichzeitig sofort die

Wohlverhaltens-Periode

Sechs Jahre lang wird der Treuhänder die pfändbaren Anteile des Einkommens sammeln und an die Gläubiger verteilen. In dieser Zeit darf niemand zwangsvollstrecken. Die Gläubiger müssen sich mit dem zufrieden geben, was ihnen der Treuhänder zuweist. Der Treuhänder kann von den Gläubigern damit beauftragt werden, das "Wohlverhalten" zu kontrollieren: Zum Beispiel, ob der Schuldner seiner Verpflichtung zur Erwerbstätigkeit nachgeht, oder sich im Falle von Arbeitslosigkeit ernsthaft und nachweisbar um Arbeit bemüht. Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel müssen so schnell wie möglich mitgeteilt werden. 

Kann der Schuldner nachweisen, dass er schon vor dem 01.01.1997 zahlungsunfähig war, dauert die Wohlverhaltensphase sogar nur 5 Jahre. Als Nachweis der Zahlungsunfähigkeit dient zum Beispiel eine Eidesstattliche Vermögensversicherung (früher: Offenbarungseid), die vor dem 01.01.1997 abgelegt wurde oder gescheiterte Pfändungsversuche vor diesem Zeitpunkt. Auch wenn Freunde oder Verwandte ausgeholfen haben, um Schulden zu bezahlen, kann dies ein Hinweis auf Zahlungsunfähigkeit sein. Alle Unterlagen, die dies eventuell belegen, können helfen, die Wohlverhaltensphase um ein weiteres Jahr zu verkürzen. 

Wenn die Wohlverhaltensphase durchgestanden ist, wird das Gericht alle Ihre Restschulden streichen, die dann noch übrig sind, selbst wenn die Gläubiger ihre Forderungen nicht angemeldet haben. Ausgenommen sind allerdings Schulden aus Geldstrafen, Geldbußen und Zwangs- und Ordnungsgeldern sowie Verbindlichkeiten aus einer vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung. 

Die Restschuldbefreiung kann noch ein Jahr lang widerrufen werden. Wenn niemand dies beantragt - weil sich z.B. im nachhinein herausgestellt hat, dass während der Wohlverhaltensphase Obliegenheiten nicht erfüllt wurden - dann ist die RESTSCHULDBEFREIUNG endgültig erreicht.